Inhaltsverzeichnis
Hinweise des Übersetzers:
Diese Dhamma-Lehrreden befassen sich mit der
buddhistischen Meditation, insbesondere mit der Übung und
Entwicklung des Samadhi.
Samadhi (Pali-Wort) heißt wörtlich:
"fest-zusammen-gefügt-sein", Konzentration, Sammlung, ist das
Gerichtetsein des Geistes auf ein Objekt. Die Einspitzigkeit des
Geistes gilt als die Sammlung.
Samadhi ist ein feststehender Grundbegriff
und wird deswegen als solcher im Text beibehalten oder an
manchen Stellen mit Konzentration übersetzt.
Andere Pali-Worte sind im Text übersetzt,
manche mit einer Fußnote erklärt.
Diesen deutschen Übersetzungen lagen die
englischen Fassungen aus dem Thai vor: z.B. The Fundamentals of
Meditation.
Ich hoffe, dass dieser Text zum Verständnis
über die Lehre des Buddhas etwas beitragen kann. Für eventuelle
Fehler bitte ich beim Leser um Entschuldigung.
Dhammavaro Bhikkhu 1995
Phra Ajahn
[1] Plien Panyapatipo wurde am 16. November 1933 in die
Familie Wongsachandra in der Provinz Sakon Nakorn
(Sawang-dan-din Distrikt) im Nordosten Thailands geboren. Er war
das dritte von sechs Kindern und hatte noch vier Brüder und eine
Schwester. Seine frühe Kindheit verbrachte er bei seinen
Großeltern. Im Alter von 11 Jahren kehrte er zu seiner Familie
zurück um in deren Geschäft auszuhelfen.
Im Alter von 18 Jahren entwickelte er
Interesse für die Medizin und arbeitete als Helfer bei einem
Landarzt, der mit ihm verwandt war. Seinen Plan, in Bangkok
Medizin zu studieren, gab er auf, als ihn seine Mutter bat, zu
bleiben, um weiter die Familie zu unterstützen.
Obwohl er schon in jungen Jahren die Absicht
hatte, Mönch zu werden, wurde er erst 1959 im Wat Dhat Mechai in
Sakon Nakorn ordiniert.
Die erste Stufe der Dhamma-Prüfung bestand er
in seinem dritten Mönchsjahr. Nachdem er seine erste Regenzeit
beendet hatte, suchte er nach guten Plätzen, um sich der
Meditation unter großen Lehrern zu widmen. Er besuchte bekannte
Meditationsmeister im Nordosten, im Süden und im Norden von
Thailand.
Seine wichtigsten Lehrer waren Ajahn Luang
Puh Brohm Jirapunno, Ajahn Luang Puh Thet Thetrangsi, Ajahn
Luang Puh Teur Achaladhammo und nicht zu vergessen Luang Puh
Waen Suchinno. (Luang Puh bedeutet ehrwürdiger Großvater.)
Zusammen mit anderen berühmten Lehrern erhielt er Anleitung und
Führung, so dass er seine Meditation gut entwickeln konnte.
Ajahn Plien ist derzeit der Abt von Wat
Aranyavivake in der Provinz Chiang Mai in Nordthailand.
-
Das Wesentliche der Sammlung oder der
Konzentration (samadhi) ist das Studium des Herzens.
[2]
-
Der Geist
[2] denkt und überlegt, macht sich Gedanken über dieses,
ist erstaunt über jenes und ständig mit irgendwelchen
Problemen beschäftigt. Indem wir uns diesen Annahmen,
Vorstellungen und Ideen hingeben, kommt unser Geist nicht zur
Ruhe.
-
Sich dieser geistigen Abläufe bewusst zu
sein, bezeichnete der Buddha als Achtsamkeit (sati).
-
Das klare Erkennen des Geistes, welche
Gedanken, Gefühle oder Vorstellungen gerade in ihm vorgehen,
nennt man sampajañña, dass heißt Wissens- oder
Bewusstseinsklarheit.
-
Wir müssen diese Achtsamkeit und diese
Wissensklarheit oft üben, so dass sie schnell genug werden, um
mit den Vorgängen unseres Geistes Schritt zu halten.
Wenn die Achtsamkeit noch schwach ist, wird
sie dazu nicht fähig sein, und wir werden in der Sammlung
(samadhi) keine Fortschritte machen können. Der Geist wird sich
dann nicht mit dem Meditationsobjekt
[3] zusammenbringen lassen,
kann sich nicht auf die Ein- und Ausatmung konzentrieren. Statt
dessen folgt er seinen alten Gewohnheiten.
Die Achtsamkeit ist nicht schnell genug und
unfähig, mitzuhalten. Manchmal gelingt es uns, die Achtsamkeit
mit dem Objekt zusammenzubringen. Aber dann schweifen unsere
Gedanken ab; Plötzlich sind wir in Amerika, und dann finden wir
uns auf einmal in Thailand wieder oder in Deutschland, und das
kann dann immer so weiter gehen. Und so versuchen wir diesem
Geist zu folgen. Da aber die Achtsamkeit noch nicht ausreichend
entwickelt und gereift ist, haben wir damit oft große
Schwierigkeiten. Sie kann dem Geist einfach noch nicht folgen.
Dies ist die Ursache für die Probleme in der Entwicklung unserer
Meditationsübungen. Deswegen ist es äußerst wichtig, die
Achtsamkeit zu üben, zu verbessern und zu kultivieren. Das
Kultivieren der Achtsamkeit beginnt, wenn wir uns der
gegenwärtigen Körperhaltungen bewusst werden. Wenn wir stehen,
sollten wir dies mit Achtsamkeit tun.
Wenn wir gehen, sitzen oder uns hinlegen,
sollten wir uns die Bewegungen und die Abläufe dieser
Körperhaltungen vergegenwärtigen. Ob wir baden, essen oder
ausscheiden, über all das sollten wir uns klar bewusst sein. Die
ständige aufmerksame Überwachung dieser körperlichen
Ausführungen wird die Achtsamkeit und Wissensklarheit entwickeln
und fördern.
Sobald diese Fähigkeiten entwickelt sind,
werden wir uns den sich ändernden Körperhaltungen beim Ausüben
verschiedener Tätigkeiten bewusst sein. Ob wir gerade unserer
Arbeit nachgehen, Kleider waschen oder das Geschirr spülen, ob
wir lesen, schreiben, nähen oder stricken, was immer wir gerade
tun, genau an diese Handlung sollten wir unsere Aufmerksamkeit
und Achtsamkeit "heften".
Dem Geist sollte nicht erlaubt werden,
abzuschweifen. In dieser Weise entwickeln wir die Achtsamkeit in
unserem täglichen Leben.
Wir werden feststellen, dass sie nun
schneller und schärfer geworden ist, und wir sind fähig, diesen
flüchtigen Geist immer wieder zu fangen. Wenn der Geist
abschweift, wird die Achtsamkeit ihm folgen können und ihn zu
unserem Meditationsobjekt zurückführen.
Mit stetiger Übung werden wir nun fähig sein,
unseren Geist auf die Ein- und Ausatmung zu konzentrieren. Wenn
der Geist auf Wanderschaft geht, werden wir ihn einfangen und
ihn wieder mit dem Atem zusammenzubringen.
Ausgestattet mit Geschicklichkeit,
Gewandtheit und der Achtsamkeit werden wir den Geist in seinen
Grenzen halten und ihn zur Betrachtung des Atems zurückbringen.
Der Atem wird dann ganz deutlich spürbar sein, das bedeutet,
dass der Geist mit der Atmung in Einklang ist. Bei stärkerer
Konzentration können wir sogar ein "Bild"
[4] des Atems sehen. Wenn
wir den Atem weder spüren noch solch ein Bild sehen, ist der
Geist irgendwo am wandern.
Wenn wir Geist und Atmung immer wieder
zusammenbringen, lernen wir diesen Prozess immer besser zu
verstehen. Sobald der Geist nicht mehr bei der Atmung ist, wird
er irgendwo umherschweifen und sich irgendwelche Dinge
ausdenken.
Diejenigen, die mit relativer Leichtigkeit
die achtsame Betrachtung des Atems ausüben können, werden
feststellen, dass der Geist mit ein- und ausströmender Atmung
stiller und ruhiger wird. Mit jeder aufeinanderfolgenden
Atembewegung werden wir wissen, ob die Ein- und Ausatmung
schwerer oder leichter, länger oder kürzer geworden ist. Dass
wir uns dieser Dinge bewusst sind, zeigt an, dass der Geist mit
dem Atem in Einklang steht. In dieser Weise sollte das
verstanden werden!
Ist diese Einheit von Geist und Atem nur von
kurzer Dauer und sie trennen sich wieder, bezeichnet man diesen
Zustand als "momentane Konzentration" (khanika-samadhi).
Wir wollen dann den Geist wieder zurückholen
und mit der Betrachtung der Atmung fortfahren. Wenn sie für
einen längeren Zeitraum zusammenbleiben, scheint der Atem viel
feiner geworden zu sein, fast so, als ob er gar nicht mehr da
ist. Wir können ihn nicht finden. An dieser Stelle bekommen
Meditierende Angst vor dem Tod. Wohin ist mein Atem gegangen? Er
war doch eben gerade noch hier...! Und so verlieren wir unsere
Konzentration. Aus lauter Angst, dass wir sterben müssen, ziehen
wir uns von diesem Zustand zurück. Aber: Wir sollten wirklich
keine Angst haben! Denn die Atmung ist immer noch da; sie ist
nur viel ruhiger und feiner geworden.
Wir müssen also nicht nach ihr suchen. Wir
sollten nun wieder unsere Achtsamkeit mit der Wissensklarheit
auf unseren Geist richten, zu unserem Meditationsobjekt
zurückkehren und folgende Untersuchung anstellen: Wo genau ist
der Ursprung unseres Geistes? Woher entsteht sein Denken? Was
sind diese Gefühle von Glück und Zufriedenheit, die wir nun
öfters erfahren?
In diesem Moment haben wir das Herz, den
Geist entdeckt. Ihn sollten wir jetzt auf eine Stelle unserer
Brustgegend richten. Das angenehme Gefühl, das unser Herz an
dieser Stelle empfindet, sollten wir dort einpflanzen und es mit
Achtsamkeit und Wissensklarheit unterstützen.
Unsere aufmerksamen Betrachtungen sollten auf
diese Stelle gerichtet bleiben, und nur dort lassen wir das
Denken entstehen. Auf diese Weise entwickelt sich eine tiefere
und festere Ruhe und Gestilltheit, bis wir die Ebene der
Angrenzenden Sammlung (upacara-samadhi) erreichen. Hier erfahren
manche ein leuchtendes Strahlen. Wenn wir nichts dergleichen
erleben, sollten wir uns auf keinen Fall entmutigen lassen. Die
Ausübung der Meditation hat nichts mit den Wünschen zu
tun, irgend welche Visionen sehen zu wollen. Erscheinungen wie
ein helles Licht oder ähnliche Dinge, sollten wir nicht
erwarten, und auch nicht darüber spekulieren, was noch alles
passieren kann.
Die Gemütsruhe und die Konzentration
entwickeln sich nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten, und dass,
was passiert, geschieht eben. Niemals sollten wir uns nach
irgendwelchen Himmels- oder Höllenvisionen sehnen - diese Art
von erwartungsvollen Wünschen wird jeden Versuch, den Geist zur
Ruhe zu bringen, verhindern! Jeder, der seinen Geist leicht
konzentrieren kann, wird diese Zufriedenheit und das
Glücksgefühl sicherlich erfahren, sobald das Herz beruhigt und
gestillt ist.
Ist der Geist gestillt, zufrieden, ruhig und
glücklich, wird dieser Zustand von einer Freude (piti) begleitet
sein, die sich bei verschiedenen Menschen auf verschiedene Art
und Weise äußern wird: Unsere Körperhaare können am ganzen
Körper anfangen zu prickeln, wir können das Gefühl haben, unsere
Haare stehen aufrecht, oder Empfindungen kühler Frische wellen
durch unseren Geist, das Gefühl, von weicher Baumwolle umhüllt
zu sein, sowie Lichtblitze, die diese angenehme Kühle einleiten,
so dass sich der Körper leicht und schwerelos anfühlt, als wolle
er davon schweben.
Ein Meditationslehrer kann solche Erlebnisse
weder bewirken noch kann er sie kontrollieren. Diese Zustände
bezeichnet man als "Schwebender Körper" und "Schwebender Geist".
Warum fühlt sich der beruhigte Geist so
leicht und erhoben an? Weil er sich von den Hindernissen
(nivarana) [5] befreit und
diese Lasten abgelegt hat. Wir sollten uns bemühen, diese
Geisteszustände zu unterstützen und zu erhalten.
Ich möchte bitten, Dinge wie das Hören von
Stimmen an dieser Stelle zu umgehen. Sie klingen etwas unklar,
wie Telefongespräche über weite Entfernungen, oder es passiert,
dass wir scheinbar nahen oder fernen Unterhaltungen zuhören, die
uns betreffen. Jedoch werden sie aufhören, sobald sich unser
Geist weiter vertieft oder er den Zustand der Konzentration
verlässt.
Der Geist hat sich nun angemessen
eingependelt, und es gibt keinen Grund, mit erreichten
Fähigkeiten wie Hellsehen und Hellhören anzugeben. Manche werden
solche Erfahrungen nicht machen, aber was auch immer passiert,
es folgt den Gesetzmäßigkeiten eines konzentrierten Geistes.
Wenn wir solche Dinge hinter uns lassen, wird
die Geistesruhe immer tiefer werden, und vielleicht nach einer
Stunde wird das Gefühl entstehen, als ob unser physischer Körper
einfach von uns abgefallen ist. Wir empfinden weder Arme noch
Beine, weder die Hände noch den Körper. Wo sind sie nur?
Obwohl die Versuchung groß sein kann, unsere
Augen zu öffnen, um nachzuschauen, sollten wir das nicht tun. In
diesem Moment sollten wir uns um nichts Sorgen machen! Statt
dessen aber noch genauer in unser Herz schauen, um zu sehen, mit
welchen Dingen es sich gerade beschäftigt und es dabei
unterstützen. Wenn wir dann ein überwältigendes Glücksgefühl
erleben, was sich sehr lebhaft darstellen kann, ist dies die
Stufe der Vollen Sammlung (appana-samadhi), in dem der Geist,
frei von allen Hindernissen, sich in voller Verzückung wie in
einem schwebenden Zustand anfühlt. Wir verspüren weder Hunger
noch Durst und haben auch kein Verlangen nach irgendwelchen
äußeren Objekten, sondern nur den Wunsch, mit diesem
Glücksgefühl, das wir noch nie zuvor erlebt haben, vereint zu
bleiben. Dieses geistige Glück, das wir durch Konzentration
erreichen, entfernt all die groben, weltlichen Angelegenheiten
und Wünsche aus unserem Bewusstsein - und Sorgen über unsere
Geschäfte oder unsere Arbeit sind vollständig abwesend.
Wenn die Volle Sammlung, die von diesem
erhabenen Glücksgefühl begleitet ist, andauert, und wir von den
Angelegenheiten der Welt unberührt bleiben, wenn wir alles
losgelassen haben, erreichen wir die meditative Vertiefung, die
Jhana genannt wird.
Diese heitere Ruhe unterscheidet sich von dem
Zustand des Gleichmutes (upekkha) nur geringfügig. Aber nun
entstehen Fragen über andere Menschen: Gibt es noch irgend
jemand, der das erlebt hat, was ich erlebt habe? Wie haben sie
es geschafft, diese Zustände zu erlangen? In diesem Moment
sollten wir besonders gut aufpassen, damit wir nicht mit unserem
Wissen umhergehen und prahlen. Es ist nur zu leicht, hier vom
Weg abzukommen, und deswegen sollten wir hinsichtlich dieser
Gedanken besonders aufmerksam und vorsichtig sein. Meditierende
können hier in eine Sackgasse geraten und verrückt werden. Sie
erzählen dann überall herum; Es ist von solch großen
Glücksgefühlen... Du musst es auch versuchen... Du solltest es
wirklich tun...!
Mit Achtsamkeit und Einsicht sollten wir
diesen Anwandlungen zuvorkommen. Gehe nicht umher, um
irgendwelchen Menschen zu predigen oder sie zu bekehren - wir
sind noch nicht erleuchtet.
Statt dessen sollten wir uns der
Schrittabfolge erinnern, die wir gegangen sind, um diese Stufen
von Samadhi zu erreichen. Das nächste Mal werden wir fähig sein,
diese Schritte mit mehr Leichtigkeit und Geschick
zurückzuverfolgen, Wie wir die Achtsamkeit und das Verständnis
gleich am Anfang unserer Übungen einrichten, sollten wir uns gut
merken. In welchem Zustand war unser Geist? Was war schon
entwickelt und was haben wir noch nicht beachtet, als wir die
tiefen Stufen von Samadhi erreichten? Wie haben wir unseren
Geist in der Vollen Sammlung unterstützt? Wenn wir mit unseren
Übungen fortfahren, werden wir fähig, sein, mit möglichen
Störungen sofort und in richtiger Weise zu verfahren. Die Dinge
werden sich alle wieder in gleicher Art und Weise zusammenfügen,
und wir werden die einst erlangten Stufen wieder erreichen
können.
Jemand, der diese Fähigkeiten entwickelt hat
und gut darin geübt ist, wird seinen Geist in allen Situationen
und Umständen konzentrieren können: Ob wir mit dem Auto, Schiff
oder Flugzeug auf Reisen sind, ob wir gerade irgendwo sitzen
oder uns in einem anderen Land befinden, wird ganz egal sein.
Sobald man Experte im Erreichen und Verlassen
dieser Meditationsstufen geworden ist, scheint dies alles leicht
und schnell erreichbar. Die Hindernisse erscheinen dann auf
unserer geistigen Leinwand überhaupt nicht mehr.
Es gibt natürlich auch Menschen, die gewisse
Schwierigkeiten haben, ihren Geist zu konzentrieren. Egal wie
sehr sie sich anstrengen - ihr Geist scheint einfach immer
wieder abzuschweifen. Sie sollten ihre Achtsamkeit solange an
die "Fersen" ihres Geistes heften, bis er es ermüdend findet,
abzuschweifen oder davonzulaufen. Er kann dieser Achtsamkeit
nicht entrinnen, weil er sich immer wieder bei den üblichen
Themen wie Geld, Autos oder Häuser, Kinder, Enkel oder guten
Freunden mit seinen Gedanken verfängt. Sobald er sich an eins
dieser Objekte hängt, müssen Achtsamkeit und Wissensklarheit dem
Geist folgen und ihn dort fangen. Dann sollten wir ihn sofort
ins "Verhör" nehmen: "Warum hängst du so verbissen an deinem
Haus (zum Beispiel)? Gehört es dir überhaupt?" Dann wird die
Antwort kommen: "Aber natürlich gehört es mir." Achtsamkeit und
Weisheit sollten den Geist dann folgenderweise weiter befragen:
"Was ist, wenn du stirbst - wirst du es dann mit dir nehmen
können?" Wenn er eingesteht, dass dies wohl nicht möglich sein
wird, sollten wir dranbleiben: "Weswegen bist du dann ständig
darum besorgt? Es ist solide gebaut und wird schon nicht
weglaufen."
Unser Geist muß manchmal in seine Schranken
verwiesen werden, wenn nötig mit Einschüchterungen. Solches
Verhalten wird den Geist einfach verblüffen und benommen machen.
Er kann dann wider zum Meditationsobjekt zurückgeführt werden,
um sich auf die Atmung zu konzentrieren. Diese Methode
bezeichnet man auch als die Weisheit entwickelt Samadhi.
Sie ist besonders für diejenigen von Nutzen,
die Schwierigkeiten haben, ihren Geist zu konzentrieren, zu
sammeln. Es geht also darum, eine angemessene Taktik zu finden,
um in der jeweiligen Situation ein entsprechendes Mittel zu
haben. Sobald der Geist wieder an das Meditationsobjekt
herangeführt wird, ist es an der Zeit, ihn in seinen Grenzen zu
halten, ohne ihm zu erlauben, auszubrechen.
Der Wunsch zu meditieren, kann zum Beispiel
gerade dann entstehen, wenn wir mitten in einer unvollendeten
Arbeit stecken. Wir sollten dann versuchen, dem Wunsch unseres
Geistes nachzukommen, indem wir die unfertige Arbeiten so
schnell wie möglich abschließen - denn unfertige oder nicht
beendete Arbeiten können bei unseren Übungen die Ursache für
unnötige Sorgen werden. Da wir jedoch nicht jede Arbeit sofort
und gleich beenden können, sollten wir - sobald eine angemessene
Pause oder Unterbrechung entsteht - diese Absicht des Geistes
belohnen, indem wir seinem Wunsch zu meditieren, schnell
nachkommen. Eine Pause oder andere Unterbrechungen wie zum
Beispiel ein Gang zur Toilette, können wir benutzen, um uns in
Samadhi zu üben. In Momenten, wenn der Geist den Wunsch fühlt,
sich konzentrieren zu wollen, entwickelt er Gelassenheit und
Ruhe mit besonderer Leichtigkeit, unterstützt durch die ganze
Kraft des Vertrauens. [6]
Alle anderen geistigen Beschäftigungen werden automatisch
ausgeschlossen sein.
Der beruhigte Geist wird sich ohne
Beeinträchtigungen oder Ängste glücklich fühlen. Er genügt sich
selbst und ist mit sich zufrieden. Vergleichbar mit dem Gefühl,
das sich bei angenehmer Atmosphäre oder gutem Klima in manchen
Höhlen, Wäldern oder schattigen Plätzen einstellt. Es weht eine
frische Brise, und man fühlt sich entspannt und zufrieden.
Deswegen sollte der lobenswerte Wunsch des Geistes, meditieren
zu wollen, ermutigt werden - und dann sollten wir es auch tun!
Wenn sich abends der Geist sehr ruhig
anfühlt, sollten wir unsere Übungen bis Mitternacht fortsetzen.
Und wenn er auch dann noch Fortschritte macht, sollten wir statt
aufzuhören, ihn weiterentwickeln bis wir vollkommene Gemütsruhe
erlangen.
Er wird sich selbst immer stärker vertiefen
und etablieren auf immer tiefgründigeren Ebenen. Hier sollten
wir nicht aufhören. Dies ist der Zeitpunkt, wo wir erkennen, wie
weit sich unsere Meditation entwickelt hat. Nach einem solchen
Gelingen können wir uns dann schlafen legen.
Nachdem wir dem Buddha unsere Ehrerbietung
erwiesen haben, legen wir uns nieder und erinnern uns der
Schrittabfolge, die uns zur Gemütsruhe geführt hat und schlafen
nach diesen Überlegungen ein. Wenn wir aufwachen, wird der Geist
sofort wieder zu dem Meditationsobjekt und der Ebene von samadhi
zurückkehren. Ich selbst übe mich in dieser Weise.
Der Geist wird sich von alleine immer tiefer
und tiefer zu der Ebene hingezogen fühlen, die er schon
kennengelernt hat und sich dort sammeln. Mit stetiger
Entwicklung und guter Konzentration werden wir während der
Schlafphase absolut keine Träume mehr haben. Sobald wir wieder
aufwachen, kennt der Geist seine Aufgabe - und das ist es, was
man als Achtsamkeit und Wissensklarheit bezeichnet. Sie passen
auf unseren Geist auf und schützen ihn unablässig.
Wir sollten ein gutes Verständnis über diesen
geübten Geist bekommen. Wenn er ermahnt werden muß, müssen wir
ihn eben ermahnen. Wenn er diszipliniert werden muß, sollten wir
ihn disziplinieren. Wenn er sich lobenswert verhält, sollten wir
ihn loben. Es ist vergleichbar mit der Erziehung ungehorsamer
Kinder. Man nimmt sie am Arm und lässt sie erst wieder los, wenn
sie uns gehorchen. Wenn sie auf uns hören, brav und fleißig
lernen, sollten wir sie dafür loben.
Unser Geist verhält sich ähnlich. Er wird
sich weigern, etwas zu tun, wenn wir ihn immer nur zu etwas
zwingen, deshalb sollten wir ihn behutsam führen. Wenn wir ihn
immer nur einschüchtern, wird er sich weigern zu lernen oder
etwas anzunehmen, er wird schwach und träge. Mit Lob und
Ermutigung jedoch ist er fähig, den ganzen Tag zu arbeiten.
Unsere Angestellten zum Beispiel sollten wir in gleicher Weise
behandeln. Die Verkäufer, die in unserem Geschäft arbeiten,
verkaufen für uns die verschiedenen Waren, unterstützen uns bei
der Arbeit und helfen uns, den Lebensunterhalt zu verdienen. Wir
dürfen sie nicht einschüchtern, Druck auf sie ausüben, sie
schikanieren und die ganze Zeit nur herumkommandieren. Sie
brauchen schließlich auch Zuneigung und Aufmerksamkeit,
freundliche und verständnisvolle Worte. Wenn sie jedoch manchmal
Fehler machen, sollte man es ihnen auch sagen und sie
berichtigen. Einschüchterungen werden sie nur abschrecken, sie
werden kündigen und uns mit der Arbeit und dem Verdienst unseres
Lebensunterhaltes alleine lassen.
Wenn Eltern weise mit ihrem Kind umgehen,
wird es ruhig und brav sein. Sie werden nicht ständig mit ihm
schimpfen oder es unter Druck setzen, weil sonst das Kind keine
Lernerfolge haben wird oder sogar einen Nervenzusammenbruch
erleiden kann.
Der beruhigte Geist muß in ähnlicher Weise
behandelt werden, das heißt, Achtsamkeit und Weisheit wachen
vorsichtig über ihn und korrigieren ihn von Zeit zu Zeit,
Achtsamkeit, Weisheit und Einsicht sind die Quellen aus denen
wir schöpfen können - je mehr, desto besser.
Achtsamkeit wacht auch über unsere Sprache.
Die Herzenstrübungen [7]
haben viele Gesichter und deswegen müssen wir auch achtsam mit
den Dingen sein, die wir sagen: Ist es von Nutzen oder
gerechtfertigt, wenn wir in dieser oder jener Weise reden? Oder:
Ist das, ins ich gerade sage, für irgend jemanden brauchbar?
Bringt es Freunde oder ist es überhaupt der Mühe wert? Sich in
der Sprache gehen zu lassen ohne achtsame Kontrolle über die
Worte, ist wie leeres Geschwätz und führt uns schnell auf
Abwege.
Am Anfang machen wir alle Fehler! Wir lernen
dann, diese Fehler zu erkennen und zu korrigieren.
Nachdem wir uns um die Sprache gekümmert
haben, kommen wir nun zu unseren Gedanken.
Wir sollten uns unserer unheilsamen Gedanken
bewusst sein und wissen, wenn sie heilsam sind. Gedanken, die in
eine schlechte Richtung gehen, müssen wir zurückhalten, um sie
wieder auf eine richtige Bahn zu lenken. Der Strom geistiger
Prozesse sollte überwacht und notfalls abgeschaltet werden.
Schlechte Gedanken sollten wir loslassen. Ob wir stehen, gehen,
sitzen oder uns hinlegen, in jeder dieser Körperhaltungen
beschäftigen wir unseren Geist mit brauchbaren und guten
Gedanken. Dann wird sich das Glücksgefühl von alleine
einstellen. Sobald wir dies erkannt haben, wird der Geist
fleißig darum bemüht sein, auf der heilsamen Fährte
weiterzugehen und gute Eigenschaften entwickeln. Vergleichen wir
diesen Prozess mit der materiellen Welt, so ist es wie mit der
Herstellung von Straßen, Autos, Flugzeugen, Schiffen Kleidern
usw. Sorgfältige und wohlerwogene Gedanken werden gute
Ergebnisse erzielen - günstige Produkte, die sich gut verkaufen
lassen, werden uns reich machen. So verhält es sich auch mit
unserem Geist.
Gute Gedanken werden unseren Geist leicht und
glücklich machen-- wobei schlechte und unheilsame Gedanken ihn
leiden lassen. Wenn wir keine guten Waren produzieren, werden
sie sich nicht verkaufen lassen. Wenn wir schlechte Dinge sagen,
werden wir uns bald streiten und bekämpfen.
Und da Ärger und Hass nur Qual und Elend
erzeugen, wird dieses Leiden sicher nicht ausbleiben! Wenn wir
uns der Verrichtungen, die wir gerade ausüben, immer bewusst
sind, wird die tägliche Ausübung der Meditation uns Glück und
Zufriedenheit bringen. Achtsam beobachten wir: Wenn wir stehen,
gehen, sitzen, liegen, essen, zur Toilette gehen oder unsere
Hände waschen. Wir beobachten, wie der Geist denkt und mit
welchen Themen oder Gedanken. er sich beruhigen lässt. Egal, was
wir gerade tun - wir sollten uns dieser Ausübungen ständig
bewusst sein. Menschen, die das beachten, meditieren immer.
Kochen oder Abwaschen - es wird eine Übung
des Samadhi sein. Wir sammeln unseren Geist, wenn wir ins Bad
gehen oder die Toilette benutzen. Die Betrachtungen, die wir
anstellen und das sich ständige Bewusstsein des Geistes ist
unfehlbare Meditation. Man muß sich nicht irgendwo einschließen
- ein weiser Mensch ist immer dazu fähig! Ein Ratschlag, den ich
jedem von uns geben möchte: Wir sollten nicht nur auf die
festgesetzten Zeiten warten, um zu meditieren - während wir
dieses Buch hier lesen; wenn wir schreiben oder nähen oder sogar
beim Schneiden unserer Fingernägel können wir die Entwicklung
von Samadhi üben. Wir sind achtsam und konzentriert, das heißt,
unser Geist ruht bei der Sache, die wir gerade tun.
Von unheilsamen Gedanken sollten wir uns fern
halten, denn sie erzeugen nur immer Probleme, Sorgen und Kummer.
Menschen, die aufmerksam in diese Weise über ihren Geist, über
ihr Herz wachen und die sich der Geistesinhalte jeden Augenblick
bewusst sind - ausgenommen sie schlafen gerade - werden immer
gelassen und zufrieden sein. Die erleuchteten Meister (Ariya)
und unsere ehrwürdigen Lehrer (Ajahn) haben sich auch in dieser
Weise geübt. Im Herzen sind sie immer konzentriert. Sie
unterhalten sich und befinden sich in Samadhi, weil sie sich an
nichts stören oder jemanden belästigen würden. Achtsamkeit und
Weisheit kontrollieren ständig diese Prozesse, dass sogar eine
kleine Plauderei für sie Samadhi ist. Die ehrwürdigen Ajahns,
die kürzlich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, waren
auf den Tod vorbereitet. Ihr Geist war angefüllt mit Samadhi und
sie waren bereit, jederzeit ohne Angst zu sterben! Weisheit war
immer und ständig anwesend, um ihren Geist durch jenes
Geschehnis zu führen. Sie waren bereit, jederzeit zu sterben,
und da sie sich des möglichen Todes immer bewusst waren, konnten
sie sich in diesem Moment einfach ihres Körpers entledigen, ohne
Qualen zu erleiden.
Diejenigen, die sich nie im Geistestraining
oder in der Entwicklung von Samadhi geübt haben, werden
Schwierigkeiten haben, solch Dinge glauben zu können. Wenn sie
durch Meditation ihren eigenen Geist niemals kennengelernt
haben, kann man sowieso nicht von ihnen erwarten, solche Dinge
zu verstehen.
Weil sich Gedankeninhalte ständig ändern, ist
es für sie nicht vorstellbar, dass sich überhaupt jemand im
Geistestraining üben kann. Wenn sich unser Herz an leidhafte
Zustände hängt, leiden wir. Wenn es sich an glückliche
Zustände hängt, ist es gelassen, glücklich und zufrieden.
Die Herzen der Ajahns waren befreit und gelassen!
Wenn sich unser Geist in Samadhi befindet,
meditieren wir ständig, die ganze Zeit. Ich habe über diese
Dinge immer wieder Betrachtungen angestellt und erachte die
Lehre des Buddha als sehr tiefgründig, weitreichend, schwierig
und komplex. Es wird verständlich, wie die Reinheit des Geistes
dieser vollkommen geübten und erfahrenen Ajahns sogar ihre
Knochen durchdringt. Warum sind die Knochenüberreste, die in der
Asche des abgebrannten Scheiterhaufens des ehrwürdigen Phra
Ajahn Man [8] gefunden
wurden, nun zu kristallähnlichen, reinen und weißen Relikten
geworden? Die Reinheit ist nicht nur eine Angelegenheit des
Geistes, sondern es scheint, als ob sie sogar Auswirkung auf die
Knochen hat. Knochen sind Knochen, aber hier geht es um mehr.
Wie tief und unergründlich dies doch ist! Es hat etwas mit
Nibbana zu tun, oder etwa nicht? Buddhismus ist sehr
tiefgründig.
Andere Religionen sind auf ihre Art und Weise
auch gut. Wenn jemand einer Religion folgen will, so ist dagegen
nichts zu sagen - es ist jedermanns eigene Angelegenheit.
Wir sollten uns dieser verschiedenen
Eigenschaften (parisannuta) und den unterschiedlichen Gruppen
bewusst sein, so dass wir uns auch in anderen Gesellschaften und
fremden Ländern ohne Zank und Streit über irgendwelche Dinge,
frei bewegen können...
(Ein Dhamma-Vortrag des Ehrenwerten Luang
Puh Sim Bhuddajaro, Wat Tam Pah Plong, Provinz Chiangmai -
Thailand)
Dies ist eine Gelegenheit, das Dhamma
(die Lehre des Buddhas) zu hören und die Meditation zu üben!
Jede Nacht, die kommt und geht, jeder Tag,
der dahinscheidet, jeder Monat, der vergeht oder jedes Jahr, das
uns verlässt - sind nicht nur die Nächte, Tage, Monate und
Jahre, die vergehen, sondern, was wirklich geschieht, ist, dass
wir älter werden oder von einem anderen Winkel aus betrachtet,
unser Leben verkürzt sich und schwindet dahin!
Wenn wir uns nicht in Meditation üben, werden
wir normalerweise weder verstehen noch fühlen können, dass unser
Leben dahingeht, vergänglich ist. Wir müssen uns vorstellen,
dass wir ungefähr zehn Monate im Bauch unserer Mutter liegen,
und sobald wir geboren werden, kommen wir in eine andere Welt.
Die erste Welt war der Bauch unserer Mutter, die zweite Welt ist
die Welt nach unserer Geburt. Um das neugeborene Kind kümmern
sich dann Mutter, Vater und andere, die das Überleben des Kindes
gewährleisten, bis es soweit herangewachsen ist, dass es sich um
sein eigenes Leben kümmern kann.
Sollten wir bis jetzt noch keine gründlichen
Betrachtungen über diese Themen angestellt haben, wird es
schwierig sein, diese Wahrheiten zu erfassen! Die Tatsache, dass
jeder älter wird und das Leben dahingeht ist vor uns versteckt
und schwer zu verstehen! Junge Menschen fühlen sich noch gesund
und stark, aber wenn wir uns dem mittleren Alter nähern, werden
unsere Körper naturgemäß schwächer und mit vorrückendem Alter
auch Grundlage für verschiedene Krankheiten. Ein weiterer
Beweis, dass unsere Lebenszeit dahingeht - mit jedem Tag, jeder
Nacht, jedem Monat und jedem Jahr. Natürlich mochte jeder von
uns lieber glauben, dass dem nicht so sei. Jedoch in
Wirklichkeit ist unsere Lebenszeit der Vergänglichkeit
unterworfen.
Nun wollen wir betrachten wie verschiedenen
Organe und Teile unseres Körpers sich im Laufe der Zeit
verändern. Unsere Sehfähigkeit zum Beispiel war einst sehr gut.
Jedoch mit steigendem Alter können unsere Augen dieses oder
jenes nicht mehr so klar sehen. Das gleiche geschieht mit
unserer Hörfähigkeit. Als junge Menschen konnten wir das Gehörte
klar und gut verstehen. Jedoch mit zunehmendem Alter hören wir
verschiedene Töne und Klänge nicht mehr so deutlich und müssen
später Hörhilfen benutzen.
Ein weiteres Zeichen dafür, dass mit jedem
Tag, jeder Nacht, jedem Monat und jedem Jahr auch unsere Seh-
und Hörfähigkeiten dahinschwinden. In Wirklichkeit können wir
sehen, dass unser ganzer Körper diesem Zerfall unterworfen ist
und es keine Möglichkeit geben wird, ihn in den gewohnten
Zustand zurückzuholen; (In dem wir gewohnt waren, ihn zu haben.)
Wenn wir jung sind, haben wir gesunde und starke Körper. Wir
können laufen und rennen und alles leicht erledigen. Sobald wir
das höhere Alter jedoch erreicht haben, werden unsere Körper
schwächer. Wenn wir laufen oder versuchen, verschieden Dinge zu
tun, spüren wir, dass alles, was wir tun, nur noch langsamer
getan werden kann. Ein weiteres Zeichen dafür, dass unser Körper
wirklich langsam zerfällt, bis eines Tages der Tod kommt.
Solange wir noch jung sind, sagen wir zu uns
selbst: Wenn wir erst einmal alt sind, werden wir entspannen und
ausruhen und können all das Geld, das wir gespart haben,
ausgeben und wirklich glücklich sein. Aber in Wirklichkeit
erfahren wir im Alter statt dem erwarteten Glück etwas, womit
wir vielleicht nicht gerechnet haben. Nämlich, dass wir diese
oder jene Krankheiten bekommen oder in irgendeiner anderen Form
behindert sein werden. Je älter wir werden, desto anfälliger
werden unsere Körper, und auch der Tod kann sich leichter
einstellen! Es kann also anders kommen, als wir es vorher
annahmen: Dass sich in Wirklichkeit die erhoffte Entspannung und
Freude im Alter in dieser Weise nicht einstellen müssen.
So ist der Tod in jedem von uns versteckt
vorhanden, und doch kann niemand von uns diese Tatsache wirklich
verstehen. Unsere Seh- und Hörfähigkeiten haben abgenommen und
auch unsere Körperstärke ist geringer geworden.
Und dies geschieht mit jedem Tag, jeder
Nacht, jedem Monat und jedem Jahr, die uns verlassen! Dieser
langsame Zerfall unseres Körpers ist wie ein schleichender Tod,
der solange von uns nicht wirklich verstanden wird, bis wir uns
in der Meditation (samadhi-bhavana) üben!
Ohne weise Betrachtungen über das Dhamma
wird es uns nicht möglich sein, diese Wahrheit wirklich zu
verstehen - obwohl diese Wahrheit immer, überall und zu jeder
Zeit zu sehen ist!
Die Tatsache, dass wir im Moment noch jung
sind oder sich unsere Körper noch recht stark anfühlen, lässt
uns übersehen, dass wir in Wirklichkeit die Elemente des
Verfalls und der Vergänglichkeit in unseren Körpern herumtragen.
Wir Menschen übersehen leicht diese Wahrheiten, die uns unsere
Körper ständig mitteilen!
Und das nur, weil unser Geist (citta)
gefüllt ist mit Täuschung und Verblendung.
Wenn wir eine Kerze anstecken, so wird sich
die Kerze langsam selbst aufbrauchen, wird kleiner und kleiner,
bis die Flamme schließlich ganz ausgeht. Dies ist vergleichbar
mit dem Altern, mit unserem Leben und dem Element des ständigen
Verlierens von Etwas.
Stellen wir uns vor, wir wären alle schon alt
geworden, und statt des Glückes, das wir hofften zu finden,
werden wir mit all den verschiedenen Formen von Leiden
konfrontiert. Besonders alte Menschen werden leichter krank als
sie es vorher gewohnt waren. Und wenn dann eines Tages der Tod
an unser Türe klopft, kann niemand von uns irgend etwas mit sich
nehmen. Auch wenn wir noch so sehr an diesen Dingen hängen, wie
z. B. an der Liebe zu unseren Kindern, unseren Ehepartnern oder
unseren Besitztümern.
Die Botschafter des Todes haben noch
niemanden vergessen.
Dies ist ein Grund, warum wir gründliche
Betrachtungen über das Vergehen der Tage, Nächte, Monate und
Jahre anstellen sollten, eben um zu erkennen, dass auch unser
Leben dieser Flüchtigkeit unterworfen ist und dass wir alle
einmal sterben müssen!
Im Todesfalle von Verwandten oder Freunden
werden traditionsgemäß Mönche eingeladen, um bestimmte
Zeremonien durchzuführen und den Verstorbenen werden Opfergaben
dargebracht. Dann wird der Körper verbrannt oder begraben. Wir
nehmen an all diesen Zeremonien teil, geben ihnen jedoch nicht
die angemessene Betrachtung, die unseren Geist (citta) lehren
könnten, dass das Leben wie ein Warten auf den Tod ist - und
nicht wie jeder glauben mag, ein Warten auf zukünftige
Glückseligkeit!
Wenn der Tod dann schließlich kommt, gibt es
keine Möglichkeit mehr, ein Abschiedswort oder ein Aufwidersehen
zu irgend jemand zu sagen, denn der Tod sendet uns keine
Zeichen, die sein Eintreffen vorher ankündigen würden! Der Tod
kann jederzeit zu jedem kommen - besonders in der heutigen Zeit,
z.B. durch Verkehrsunfälle oder Flugzeugabstürze.
Und auch weiterhin denken wir alle, dass wir
ein langes Leben führen und in Zukunft sehr glücklich sein
werden, obwohl wir in Wirklichkeit jederzeit sterben können!
Wenn wir denken, dass wir vom Sterben weit entfernt sind, so
tragen diese Gedanken gewisse Risiken in sich. Während wir
schlafen oder irgendwo sitzen, wartet der Tod auf uns, ohne
jemanden von uns zu vergessen.
Ich möchte jeden dazu ermahnen, die
Meditationsübungen (samadhi-bhavana) aufzunehmen und sich mit
der Wahrheit anzufreunden, dass unser Alter und unser Leben mit
jedem vergehenden Zeitmoment verkürzt wird!
Den Tod hat der Buddha mit einem Waldbrand
verglichen, der aus allen vier Richtungen gleichzeitig
hereinbricht. Alle Tiere, die sich nicht rechtzeitig retten
können, werden von dem Feuer verbrannt. Aus diesem Grunde müssen
wir uns in Meditation üben, um die Wahrheit der uns umgebenden
Gefahren zu erkennen, und um uns nicht dem Glauben hinzugeben,
wir seien nur von glücklichen Umständen umgeben! Durch die Übung
der Meditation und der Hilfe weiser Erwägungen, sehen wir, dass
der Tod sich langsam und unaufhaltsam an uns heranschleicht; und
dass wir uns mit den kleinen Freuden des Alltags schon zufrieden
geben, ist wohl nicht die angemessene Einstellung, um der
Wahrheit näher zu kommen!
Wenn Krankheiten und Gebrechen uns befallen,
so werden sie unsere Willenskräfte schwächen. Wir beklagen unser
Unglück, werden in ein Krankenhaus eingeliefert, von dem wir uns
Hilfe erwarten. Weder die beste Medizin noch das beste
Krankenhaus werden aber unseren Tod verhindern können! Sogar die
Ärzte, die dort arbeiten, müssen eines Tages sterben.
Alles gute Gründe, um sich dem Dhamma
zuzuwenden und mit der Betrachtung über den Tod unseren Geist
auf dieses Ereignis vorzubereiten! Geburt; Alter, Krankheit und
Tod sind Realitäten, die unser Geist (citta) in der
Gesamtheit ihrer Bedeutungen noch nicht wirklich erfasst hat!
Deswegen ist es wichtig, diese Realitäten oft zu bedenken und
die Meditation zu üben, damit wir schließlich die Wahrheit
erkennen.
Das heißt: Die Dinge sehen wie sie
wirklich sind!
Abschließend zu diesem Dhamma-Vortragbleibt
zu wünschen, dass wir die Wahrheit sehen mögen und verstehen
werden, dass unsere Lebenszeit dahinschwindet.
Mit jeder Nacht, die kommt und geht, jedem
Tag, der dahinscheidet, jedem Monat, der vergeht und jedem Jahr,
das uns verlässt...!
Fußnoten
[1]
Ajahn bedeutet Lehrer (sprich: Adschaan)
[2]
Citta: Geist, Bewusstsein, Bewusstseinsstrom. In der
Thai-Sprache heißt Geist: "Tschit Tschai". Tschit heißt Geist
und Tschai Herz. In diesem Text bezeichnen Geist/Herz das
gleiche.
[3] In
diesem Falle, die Betrachtung der Ein- und Ausatmung. Die
Visuddhimagga beschreibt 40 Meditationsobjekte.
[4]
nimitta: Bild, Gegenbild, Zeichen. Bei erfolgreicher
Konzentration entstehendes Bild, das mit dem geistigen Auge
gesehen wird.
[5]
nivarana: Hemmnisse/Hindernisse, die unsere
Konzentrationsfähigkeit stören: 1. Sinnenlust 2. Übelwollen, 3.
Stumpf- u. Mattheit, 4. Gewissensunruhe, 5. Zweifel.
[6]
saddha: Vertrauen. Neben: Willenskraft, Achtsamkeit, Sammlung
und Wissen eine der 5 "Kräfte" (bala) oder Fähigkeiten.
[7]
kilesa: Herzenstrübungen, Befleckungen, nennt man die den Geist
trübenden Leidenschaften. Gier, Hass und Verblendung, usw.
[8]
Ajahn Man Bhuridatta Thera (1870 - 1949): Einer der bekanntesten
Meditationsmeister in Thailand. Er begründete die "Asketische
Waldtradition".
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